Gleichstellung in der Corona Krise: CEDAW im Blick im Landkreis Schaumburg

Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf während der Corona Krise. Interview mit Nadine Pasel, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Schaumburg

Frau Pasel, Sie sind Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Schaumburg und Standortverantwortliche der CEDAW Modellregion „Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf“. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf aus?

Unter Corona-Bedingungen hat die Wichtigkeit von Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich zugenommen. Viele Mitarbeiterinnen mit Sorgeaufgaben hätten nicht arbeiten können, wenn der Landkreis Schaumburg nicht die Möglichkeiten des gelegentlichen Arbeitens an anderen Orten deutlich ausgebaut hätte. Natürlich ist in dieser Situation nicht auszublenden, dass insbesondere Frauen in die Situation kamen, sich um ihre Kinder zu kümmern und gleichzeitig von Zuhause zu arbeiten. Die daraus resultierende Mehrfachbelastung ist nicht zu unterschätzen!

Wie erleben Sie als Gleichstellungsbeauftragte die Situation im Landkreis Schaumburg?

Mich hat es überrascht, wie gut, schnell und vergleichsweise unbürokratisch die Möglichkeiten der Erbringung von Erwerbsarbeit geändert werden konnten. Ohne Corona hätte es sicherlich einige Zeit länger gebraucht, bis die Voraussetzungen für beispielsweise Videokonferenzen in dem aktuellen Maße geschaffen worden wären. Unter Corona-Bedingungen wurde dieser Digitalisierungsprozess beschleunigt und ich bin mir sicher, dass zukünftig deutlich mehr Formate online stattfinden werden und insgesamt Präsenzveranstaltungen abnehmen werden.

Sehen Sie für Frauen, die Pflegeverantwortung und Beruf bzw. Kinderbetreuung und Beruf vereinbaren müssen zusätzliche Benachteiligungen während der Corona Krise? Können Sie ein Beispiel aus der Praxis nennen?

Wie oben bereits erwähnt, sehe ich die Mehrfachbelastung – die mehrheitlich Mütter bzw. Frauen betrifft – kritisch. In meinen Augen hätte der Lock Down auch nicht länger dauern dürfen, da die Erschöpfung durch die Mehrfachbelastung nicht mehr länger tragbar war. Zukünftig muss geschaut werden, wie die Verantwortlichkeit für den Nachwuchs bzw. zu pflegende Angehörige gleichermaßen auf die Schultern von Frauen und Männern verteilt werden kann. Viele Zahlen zeigen bereits jetzt, dass Frauen die Verliererinnen dieser Krise sind, wirtschaftlich und sozial. Das müssen wir in Zukunft ändern!

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