Häusliche Gewalt

Osnabrück

Häusliche Gewalt

Landkreis und Stadt Osnabrück sind jetzt einer von drei Modellstandorten im landesweiten Projekt „Gleichstellung sichtbar machen – CEDAW in Niedersachen“, um beispielhaft aufzuzeigen, wie das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau umgesetzt wird und was hierzu noch erforderlich ist. Das Übereinkommen wurde 1979 getroffen und von Deutschland im Jahr 1985 ratifiziert. Die Umsetzung ist für Bund und Länder verpflichtend. Im Juni 2018 wurde in Osnabrück mit der Auftaktveranstaltung ein wichtiges Thema vor Ort und für ganz Niedersachsen stärker in den Blick genommen. Es geht um „Häusliche Gewalt“, d.h., um körperliche, sexuelle, psychische und wirtschaftliche Gewalt bzw. Gewalttaten zwischen Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben. Ein Themenfeld, das auch die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten tagtäglich berührt. Für die Auftaktveranstaltung wurden sowohl lokale Akteurinnen und Akteure als auch das Niedersächsische Sozial- sowie das Innenministerium und die wissenschaftliche Ebene eingeladen.

„Es geht darum, den betroffenen Frauen Beratung und Unterstützung zukommen zu lassen und die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, gleichzeitig aber auch die vorhandenen Hilfsangebote präsenter und optimaler zu gestalten“, erläuterte Monika Schulte, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Osnabrück. In Stadt und Landkreis Osnabrück gab es in 2016 und 2017 jeweils mehr als 1.100 registrierte Fälle von häuslicher Gewalt, zudem wurden im vergangenen Jahr in ganz Deutschland mehr als 4.000 Kinder schwer misshandelt.

Wie ein vorbildliches Fallmanagement funktionieren kann, um Hochrisikofälle von häuslicher Gewalt zu erkennen, stellten Monika Holtkamp vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Osnabrück und Kornelia Krieger von der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt vor. „Mit dem Fallmanagement sind Stadt und Landkreis Osnabrück vergleichsweise schon sehr gut aufgestellt, daher fordern wir dieses flächendeckend für ganz Niedersachsen“, so Katja Weber-Khan, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Osnabrück.

Silke Gardlo von Gleichberechtigung und Vernetzung aus Hannover erläuterte das Projekt „Gleichstellung sichtbar machen – CEDAW in Niedersachen“, welches gemeinsam vom Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbüros in Niedersachsen, dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung sowie von Gleichberechtigung und Vernetzung e. V. entwickelt und durchgeführt wird.

Andrea Frenzel-Heiduk, Leiterin des Referats Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Niedersächsischen Sozialministerium, berichtete, dass die Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey mehr finanzielle Absicherung auch für ambulante Hilfs- und Betreuungseinrichtungen zugesagt hat und die Einrichtung eines runden Tisches plant. Es gehe darum, Frauen dauerhaft aus Gewaltsituationen zu befreien.

Der Polizeipräsident der Polizeidirektion Osnabrück, Bernhard Witthaut überbrachte das Grußwort des Niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius. Zudem verdeutlichte er, dass die Einrichtung des Managements Hochrisikofälle aus seiner Sicht bereits dann schon erfolgreich eingesetzt ist, wenn auch nur ein Frauenleben dadurch gerettet werden kann.

Prof. Dr. Konstanze Plett von der Universität Bremen und Dr. Sabine Bohne, Universität Osnabrück, informierten über CEDAW und geschlechtsspezifische Gewalt als gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Denn häusliche Gewalt ist nicht Privatsache, sondern trifft mit seinen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen auch die gesamte Gesellschaft.

Kontakt zum Standort Osnabrück

Monika Schulte
Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Osnabrück
Am Schölerberg 1
49082 Osnabrück
Telefon (0541) 501-3055
gleichstellung@landkreis-osnabrueck.de
www.landkreis-osnabrueck.de

Folgeveranstaltungen

In Osnabrück wurden im November zwei Workshops zum Thema Häusliche Gewalt durchgeführt, bei denen es besonders um Prävention und Sensibilisierung ging. Die erste Veranstaltung wurde gemeinsam mit der Osnabrücker Täterberatungsstelle konzipiert und umgesetzt.

Es wurde „Die Entwicklung der Täterarbeit Häusliche Gewalt in Niedersachsen“ durch einen Vortrag von Klaus Eggerding, Geschäftsführer Männerbüro Hannover e.V. in den Mittelpunkt gestellt. Die Teilnehmenden konnten feststellen, dass ein Blick auf die Historie und Entwicklung viele Impulse für die Gegenwart der Täterarbeit bieten kann. Danach wurde in einer aktiven Phase an zwei Themen gearbeitet.

  • Workshop 1: Einblick in die Praxis der Täterarbeit Hans Ludger, Diplom-Pädagoge, Anti-Aggressivitäts-Trainer®, Diakonie Osnabrück Stadt und Land gGmbH, Fachzentrum Faust
  • Workshop 2: Bekämpfung häuslicher Gewalt geht nicht ohne Täterarbeit, Andrea Gebbe, Sozialarbeiterin/-pädagogin, Deeskalationstrainerin GAV, Diakonie Osnabrück Stadt und Land gGmbH, Fachzentrum Faust

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