Projekte im Jahr 2020

Im Jahr 2020 konnten aufgrund der Corona Pandemie nicht alle Projekte stattfinden, bzw. mussten verändert werden. Hier eine erste Übersicht. Beispielhaft stellen wir an dieser Stelle noch Projekte vor.

Beispielhaft | Stadt Vechta

Mehr Frauen in die Politik
Via Live-Stream über den YouTube-Kanal der Stadt Vechta fand am 27. Oktober 2020 der Rathaus-Talk „Ich bin dabei – Frauen machen Stadtpolitik“ statt. Bürgermeister Kristian Kater und Gleichstellungsbeauftragte Andrea Schlärmann haben zu dieser Veranstaltung eingeladen, um auf die Unterrepräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik aufmerksam zu machen und Frauen dazu zu ermutigen, sich politisch zu engagieren. Anlass sind die Wahlen im kommenden Jahr. Bürgermeister Kater machte in seinem Grußwort deutlich, dass Politik den Querschnitt der Gesellschaft abbilden solle. Aktuell seien aber nur 15,6% der Mandate des Rates der Stadt Vechta von Frauen besetzt. „Bei der nächsten Wahl muss das besser werden“, sagte Kater.

Die 15,6% Frauen des Rates der Stadt Vechta, das sind die fünf Ratsfrauen Jana Bröker, Simone Göhner, Dr. Christa Kiene-Schockemöhle, Frauke Preuß und Anja Sommer, die am Veranstaltungsabend live die Fragen der Moderatorin und der Zuschauerinnen und Zuschauer beantworteten. Die fünf Ratsfrauen berichteten von ihren Anfängen in der Politik und ihrem Umgang damit, eine öffentliche Person zu sein. Sie gaben spannende Einblicke in die Ratsarbeit und betonten, wie wichtig die Unterstützung aus dem politischen Netzwerk, zumeist der eigenen Partei, für die politische Arbeit sei. Auch wenn es nicht immer einfach sei, Beruf, Familie und Politik zu vereinbaren, war für alle Ratsfrauen klar: „Es lohnt sich!“ Vor allem die Freude, die eigene Stadt aktiv mitzugestalten zu können, motiviere die fünf Frauen. Den über 80 aktiven Zuschauerinnen und Zuschauer des Live-Streams machten sie Mut, sich mehr zuzutrauen und sich politisch zu engagieren.

Interessierte können sich die Aufzeichnung des Rathaus-Talks „Ich bin dabei – Frauen machen Stadtpolitik“ auf dem YouTube-Kanal der Stadt Vechta unter folgendem Link https://www.youtube.com/user/stadtvechta ansehen.

Beispielhaft | Stadt Seelze

Vom 21.- bis 29. Oktober 2020 fanden in der Stadt Seelze sogenannte Nightwalks statt. Bei Nightwalks handelt es sich um geführte Spaziergänge in der Dunkelheit, um Stellen, die insbesondere bei Frauen Unbehagen, ein Gefühl von Unsicherheit oder Ängste auslösen, aufzusuchen und sichtbar zu machen. Im Rahmen der Nightwalks hat die Lichtkünstlerin Claudia Wissmann in kleinen Gruppen mit Frauen und Mädchen sowie Mitarbeiterinnen des städtischen Bauamtes diese Bereiche in der Stadt in abendlichen Spaziergängen aufgesucht und ist dem Gefühl der Unsicherheit auf verschiedenen Ebenen entgegengetreten - und hat dabei buchstäblich Licht ins Dunkel gebracht. Dabei nutzte Wissmann lichtkünstlerische sowie theaterpädagogische Elemente, um Empfindungen wie Unbehagen und Ängste abzumildern und eine nachhaltige Wirkung zu erreichen.
Ziel des Projektes war es, Frauen an der Gestaltung ihres persönlichen Nahraums partizipieren zu lassen. Es ging in erster Linie darum, ein Bewusstsein für (Un)Sicherheitsempfinden zu schaffen und betroffenen Frauen das Gefühl der Machtlosigkeit zu nehmen, indem sie die Räume anders erleben und erfahren konnten: Sie wurden zu aktiven Gestalterinnen!

Der gesamte Prozess wurde fotografisch und dokumentarisch festgehalten und Mithilfe von mehreren kreativen Prozessen aufgearbeitet.
Das Projekt wurde durch Fotos und durch die Verschriftlichung der Erlebnisse und Wahrnehmungen dokumentiert. Eine Auswahl von fünf erlebten und gestalteten Orten der Projektteilnehmerinnen wurde in eine ausstellungsgerechte Form verarbeitet. Das entstandene Ausstellungsformat wurde in die CEDAW Ausstellung integriert und in Seelzes Stadtzentrum gezeigt. Eine öffentlichkeitswirksame Ausstellungseröffnung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Ehrenamt und den teilgenommenen Frauen war geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Ausstellungseröffnung in kleinerem Rahmen stattfinden. Dennoch stieß das Projekt auf großes öffentliches Interesse bei Bürgerinnen und Bürgern sowie der Presse. Das Projekt wurde von Seelzes Gleichstellungsbeauftragter Gabriele Giesche in Kooperation mit der Frauenberatungsstelle der AWO Region Hannover durchgeführt.

Beispielhaft | Landeshauptstadt Hannover

Über 400 Frauen folgten am 06. März 2020 der Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Friederike Kämpfe zur Frauenvollversammlung der Landeshauptstadt Hannover unter dem Motto „Tatort Frauenrechte – International.National.Kommunal“. Nach einer Begrüßung durch die Gleichstellungsbeauftragte, Oberbürgermeister Belit Onay und GPR-Vorsitzende Karin Gödecke folgte der Vortrag „FrauenMenschenRechte in der Kommune“ von Ulrike Lembke, Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt Universität zu Berlin und frisch ernannte Richterin am Verfassungsgericht Berlin. In ihrem eindrucksvollen Vortrag schaffte es die Referentin die UN-Frauenrechtskonvention und ihre Bedeutung für die Geschlechtergerechtigkeit auf internationaler, nationaler und vor allem auf kommunaler Ebene greifbar zu machen. „CEDAW – das ist Revolution durch Recht!“ betonte Lembke dabei und verdeutlichte um welch ein wichtiges Instrument zur Gleichstellung es sich bei der UN-Frauenrechtskonvention handelt.
Nach einer Pause, die von den Frauen zum Netzwerken, Diskutieren und zum Besuch der Ausstellung über die UN-Frauenrechtskonvention genutzt wurde, fand eine Podiumsdiskussion zu Berührungspunkten von CEDAW in den (Frauen-)Beratungsstellen in Hannover und der Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover statt.

Beispielhaft | Landkreis Göttingen

Die Kreisverwaltung Göttingen hat sich im Jahr 2020 der Fortschreibung der Richtlinie „Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewidmet. Hintergrund: Der Landkreis Göttingen hat eine, vor ca. 10 Jahren vom Kreistag verabschiedete, Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Kreisverwaltung Göttingen. Diese Richtlinie sollte aus Gleichstellungsperspektive dringend fortgeschrieben und weiterentwickelt werden. Im Jahr 2020 sollte daher das CEDAW-Schwerpunktthema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ dazu genutzt werden, in einer Projektgruppe der Kreisverwaltung mit externer Beratung und Moderation die Richtlinie neu zu fassen und ein Leitbild „Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Kreisverwaltung Göttingen“ zu entwickeln. Geplante Erzählcafés in den Städten und Gemeinden im Landkreis Göttingen mussten Corona bedingt leider ausfallen. Es war geplant niedrigschwellige Infoveranstaltungen zu den fünf CEDAW Schwerpunktthemen durchzuführen. Eine Projektgruppe im Kreishaus hat aber an der Überarbeitung der Richtlinie weitergearbeitet.

Projekte im Jahr 2019

Neben den Modellregionen konnten im Jahr 2019 weitere Kommunen am Projekt partizipieren und eigene Veranstaltungen oder Maßnahmen umsetzen. Eine thematische Ausrichtung an den fünf Themenschwerpunkten sowie der Bearbeitung der Frauenrechtskonvention stand im Mittelpunkt der Projekte. Im Jahr 2019 konnten so neben den fünf Modellstandorten noch 20 weitere kommunale Projekte mit z.T. vielfältigen Kooperationspartnern am Projekt „Gleichstellung sichtbar machen – CEDAW in Niedersachsen“ teilnehmen, neue Netzwerke erschließen und im interdisziplinären Austausch gleichstellungspolitische Themen intensiv bearbeiten. Im folgenden finden Sie beispielhaft für die kommunalen Projekte einige Informationen.

Beispielhaft | Lüneburg

In Lüneburg hat eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto der "Lüneburger Herbst der UN-Frauenerechtskonvention" stattgefunden. Es wurden verschiedene Veranstaltungen zu den Schwerpunktthemen politische Partizipation, häusliche Gewalt sowie Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf angeboten.

Beispielhaft | Landkreis Harburg

Genitalverstümmelung sichtbar machen - So lautete der Titel einer Fachtagung, die am 26. November 2019 im Kreishaus in Winsen stattfand. Ziel der Veranstaltung war das Thema Genitalverstümmelung zu enttabuisieren, die unterschiedlichen Fachdisziplinen zu informieren und zu sensibilisieren. Zeitgleich wurden Impulse für weitere (Denk-)Prozesse und die Entwicklung von Handlungsstrategien gegeben, die sich aus der Vernetzung heraus ergeben haben. Die Ausstellung zur Frauenrechtskonvention wurde rund im den Fachtag im Kreishaus gezeigt.

Beispielhaft | Landkreis Verden

Die Frauenrechtskonvention sichtbar machen im Landkreis Verden - das war das Ziel einer Veranstaltungsreihe im gesamten Kreisgebiet. Den Auftakt machte ein Vortrag am 12.09.2019 im Kreisfrauenrat des Landkreises Verden. Dieser ist ein Gremium von Frauenverbänden und –Initiativen, Gewerkschaften, Kommunen und Parteien, die gesellschaftlich relevante Fragen aus dem Blickwinkel von Frauen aufgreifen. Die Ausstellung „Gleichstellung sichtbar machen“ wurde im Rahmen dieser Tagung gezeigt.

Beispielhaft | Stadt Braunschweig

Im Mai 2019 fand in Braunschweig eine Podiumsdiskussion zum Thema: Gute Geburt! In Braunschweig eine Glücksache? statt.
In den Schwangerenberatungsstellen wurde in den letzten Jahren die unzureichende Versorgung rund um Schwangerschaft und Geburt in Braunschweig
immer häufiger in den Beratungssgesprächen thematisiert. Sowohl die ausreichende Hebammen- und Gynäkologinnenversorgung als auch die Versorgung in den Kliniken sei zunehmend nicht mehr gewährleistet. So sei das Nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um Schwangerschaft und Geburt“ nicht zu erreichen. Auch nach der internationalen Frauenrechtskonvention (CEDAW) Artikel 12 hat der Staat für eine angemessene Versorgung vor, während und nach der Geburt zu sorgen. Was muss getan werden um diese desolate Situation in Braunschweig zu verbessern? Diese Frage wurden auf dem Podium erörtert u.a. mit Dr. Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, und Veronika Bujny, Vorsitzende des Niedersächsischen Hebammnverbandes. Mehr dazu im Flyer.

Beispielhaft | Stadt Hildesheim

Die somalische Menschenrechtsaktivistin Fatuma Musa Afrah hat sich mit einem Vortrag und Workshop dem Thema "Stärkung geflüchteter Frauen"  im September 2019 in Hildesheim befasst. Geflüchtete Frauen sollten dazu ermutigt werden, ihre Zukunft in der neuen Umgebung und Heimat eigenständig, gleichberechtigt und frei zu gestalten. Die Veranstaltung diente auch dazu, die UN-Frauenrechtskonvention in die politische Praxis zu übertragen. Ziel der Konvention ist es, die Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen zu beenden.