Projekte im Jahr 2021

Im Jahr 2021 konnten/können kommunale Gleichstellungsbeauftragte aus Niedersachsen wieder Anträge auf eine Förderung für eigene Veranstaltungen und Maßnahmen beim Projektträger Gleichberechtigung und Vernetzung e.V. stellen. Neben den Themenschwerpunkten "Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf" und "Existenzsicherung von Frauen" konnten/können Anträge zu den Themen "Häusliche Gewalt", "Politische Partizipation von Frauen" und "Gesunde Geburt auf dem Land" eingereicht werden.

Beispielhaft | Landkreis Cuxhaven

Digitale Gewalt - Was kann ich tun?
Digitale Formen von Gewalt sind kein eigenes Phänomen, sondern in der Regel eine Fortführung von Gewaltverhältnissen, die wir auch sonst in patriarchalen Strukturen sehen: Stalking, Bedrohung, Erpressung, Herabsetzung von Frauen und Personen, die sich nicht in das Raster von Zweigeschlechtlichkeit fügen, kennen wir schon lange im „analogen“ Leben. Für all diese Gewaltformen gibt es inzwischen auch eine digitale Entsprechung. Technische Hilfsmittel wie Mobiltelefone und Spionage-Apps werden zur Überwachung und Kontrolle eingesetzt, intime Aufnahmen werden ohne Zustimmung der Gezeigten auf Pornoplattformen hochgeladen oder Kontaktanzeigen werden gefälscht, um Terror auszuüben. Die Dynamiken, die sich dabei entfalten können, sind sehr wohl neu. Oft ist es für Betroffene sehr schwer, sich zur Wehr zu setzen – denn die Rechtslage kommt den aktuellen Entwicklungen nur schleppend hinterher.

Wer diese Gewalt ausübt und wie oft sie vorkommt, dazu gibt es bislang in Deutschland so gut wie keine Erkenntnisse. Aussagekräftige Studien fehlen und die Kriminalstatistik kann kaum herangezogen werden, die Dunkelziffer ist hoch.

Die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Cuxhaven, der Frauenrat, die Landfrauen und der Arbeitskreis häusliche Gewalt unterstützen die Aufklärungskampagne zur „digitalen Gewalt“, um betroffene auf Hilfsangebote hinzuweisen. Unter dem Titel: „Digitale Gewalt - Was kann ich tun?“ wurde an zwei Terminen ein Workshop für Fachkräfte und am 01.07.2021 für ein breites Publikum veranstaltet. Die Referentin Chris Köver hat in einem zweistündigen Videoseminar zur digitalen Gewalt und ihren Formen informiert und aufgeklärt. Unter anderem wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich Betroffene wehren können, aber auch die Schwierigkeiten in der behördlichen Ermittlung und Justiz diskutiert. Mehr dazu unter www.landkreis-cuxhaven.de/cedaw

Beispielhaft | Landkreis Osterholz

In Kooperation mit allen Gleichstellungsbeauftragten im Landkreises Osterholz möchte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises die Gleichstellungsarbeit und gleichstellungspolitische Themen stärker sichtbar machen. Ziel ist es, durch die verstärkte Heranziehung von sozialen Medien ihre Reichweite als Gleichstellungsbeauftragte zu steigern, gleichstellungs-relevante Themen leichter für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Vernetzung innerhalb des Landkreises zu gewährleisten. In diesem Projektjahr konzentrieren sie sich insbesondere auf den Themenschwerpunkt „Politische Partizipation von Frauen“ und initiieren verschiedene Aktionen.

Im Mai haben die Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinden Lilienthal, Worpswede, Grasberg, Schwanewede, der Stadt Osterholz-Scharmbeck und des Landkreises Osterholz zum Wahljahr 2021 Postkarten gestaltet, die speziell Frauen an ihr Wahlrecht erinnern und zum Wählen ermutigen sollen. Die Kreistagsabgeordneten haben ein kurzes Statement zur Frage: „Was bedeutet für Sie politische Partizipation?“ abgeben und ein Film zum Themenschwerpunkt „Politische Partizipation von Frauen“ rundet die Projektphase ab.

Beispielhaft | Stadt Wolfenbüttel

Häusliche Gewalt, das heißt Gewalt in der Familie, Ehe oder Partnerschaft ist ein Thema das alle betrifft. Jede Frau, jedes Mädchen unabhängig von Kultur, sozialer Herkunft oder Lebensweise kann betroffen sein. Viele Kinder wachsen in einer Familie auf, in der häusliche Gewalt das Familienleben bestimmt. Fast jeden 2. Tag wird eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Jede 3. Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt. Die Zahlen belegen, dass dieses Thema uns alle angeht. Wolfenbüttels Gleichstellungsbeauftragte plant im Rahmen des CEDAW-Projektes am 18.11.2021 eine Veranstaltung zum Thema Gewalt gegen Frauen. Die Veranstaltung richtet sich an Schulen und Studierende und möchte die Teilnehmer:innen zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ sensibilisieren, Aufmerksamkeit schaffen und Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen. Frau Prof. Dr. jur. Haas, Prof. für Kriminologie und Viktimologie, systemische Therapeutin und Supervisorin wird in das Thema einführen. Darauffolgt eine künstlerische Annäherung an die Thematik durch das Theaterstück „Die Wortlose“, aufgeführt von der Schauspielerin Susann Kloss. Im Anschluss werden die Teilnehmer:innen in einer Marktplatz-Situation die Gelegenheit erhalten, sich Informationen von anwesenden Beratungsstellen einzuholen und Erfahrungen auszutauschen.  

Beispielhaft | Landkreis Harburg

Als die UN-Frauenrechtskonvention 1979 verabschiedet wurde, spielte das Thema "Digitalisierung" keine Rolle. 40 Jahre später hat sich in dieser Hinsicht sehr viel getan, so dass die CEDAW-Allianz in ihrer Stellungnahme formulierte, dass Digitalisierung in den Handlungsfeldern berücksichtigt werden müsse. Auch der 3. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung setzt sich intensiv mit dem Thema Digitalisierung auseinander und fordert ein kooperatives Vorgehen der Akteurinnen und Akteure die im Themenfeld geschlechtsbezogener / digitaler Gewalt tätig sind. Diesem Ansinnen möchte sich die Gleichstellungsbeauftragte gemeinsam mit dem Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Harburg stellen.

Dieses Projektvorhaben ist darauf ausgerichtet, das Netzwerk gegen häusliche Gewalt neu aufzustellen und zukunftsfähig zu machen. Der Lock-Down im März 2020 als auch die aktuelle pandemische Lage zeigen sehr deutlich, dass das Netzwerk dem Leben in digitalen Zeiten Rechnung tragen muss, damit die Auffindbarkeit des Netzwerks (digital) aber auch die Frauen besser erreicht und somit schneller Hilfe erfolgen kann. Den ersten Schritt machte das Netzwerk im letzten Jahr. In einer Fortbildung beschäftigten sich die Partnerinnen und Partner damit, wie das Netzwerk @digital gehen könnte (strategischen Umsetzung). Dieses Projekt soll als "Leuchtturmprojekt" dienen, eine Übertragbarkeit auf andere Netzwerke in Niedersachsen wird angestrebt.

Beispielhaft | Landkreis Oldenburg

In Zusammenarbeit mit den Städten Oldenburg und Delmenhorst und der ExistenzgründungsAgentur für Frauen (EFA) möchte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Oldenburg im Rahmen des Themenschwerpunktes „Existenzsicherung von Frauen“ das Gründungsverhalten von Frauen und ihre Nachhaltigkeit im Rahmen einer Studie beleuchten. Empirische Daten und Antworten werden mittels einer Umfrage erhoben.

Die Ergebnisse der Studie werden in einer Broschüre festgehalten und sollen Aufschluss über das Gründungsklima für Frauen im Oldenburger Land und in den angrenzenden Städten Oldenburg und Delmenhorst bringen. Potenziale und Hürden der Selbständigkeit als Möglichkeit der Existenzsicherung von Frauen werden hierbei herausgearbeitet und beleuchtet. Ergänzend zu den Ergebnissen der Studie werden Gründerinnenportraits herangezogen, die gemeinsam die Vielfalt weiblicher Gründungsaktivitäten abbilden. Die Broschüre wird öffentlichkeitswirksam über das bestehende Netzwerk der EFA gestreut und so publik gemacht.

Beispielhaft | Landkreis Göttingen

Der Landkreis Göttingen führt in Kooperation mit „Fem*ily – Feministische Familienvisionen“ (Arbeitsgemeinschaft) eine digitale Veranstaltungsreihe zum Themenschwerpunkt „Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf“ durch. Ziel ist es, verschiedene Perspektiven auf reproduktive Arbeit im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu beleuchten und gemeinsam zu diskutieren. Gleichzeitig sollen neue Strategien des Zusammenlebens erkundet werden, die Familien ökonomisch, sozial und emotional entlasten können.

Die digitale Veranstaltungsreihe beginnt am 16.09.2021 mit dem Inputvortrag „Unsichtbarer Stress und Folgen für Betroffene“ von Laura Fröhlich, Autorin des Buches „Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles!“.

Darauf folgt am 28.09.2021 die Veranstaltung „Belastete Familien und Pflegende – Ursache, Folgen und Lösungsideen eines Systemfehlers“ mit Dr. Sonja Bastin vom Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Universität Bremen.

Am 04.10.2021 findet die Veranstaltungsreihe mit Constanze Schwärzer-Dutta (Netzwerk Reproduktive Gerechtigkeit) und Derya Binışık (Gunda-Werner-Institut) und ihrem Beitrag „Reproduktive Gerechtigkeit – Eine Einführung“ ihren Abschluss.

Beispielhaft | Landkreis Vechta

Ausblick für November 2021

„Ein Monat gegen Gewalt an Frauen“ – So lautet der Titel, der von der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Vechta in Zusammenarbeit mit anderen Kommunen des Landkreises, für November 2021 geplanten Veranstaltungsreihe. Mit verschiedenen Aktionen möchten die Gleichstellungsbeauftragten und weitere Kooperationspartner CEDAW sowie das Thema Gewalt gegen Frauen in das öffentliche Bewusstsein rücken und unterschiedliche Gruppen nachhaltig ansprechen.

So sind die Aktionen (teilweise) für Frauen unterschiedlichen Alters zugeschnitten: Der Umgang mit körperbezogenen Diskriminierungen wird in dem Workshop „Bodyismus“ (Diskriminierung und Erkrankung von Mädchen aufgrund vorherrschender Körper- und Schönheitsnormen) in Zusammenarbeit mit Fachberatungsstellen für junge Mädchen angeboten. Der Selbstbehauptungskurs 50+ wird Frauen ab 50 Jahren ein Rüstzeug für ein selbstsicheres und schlagfertiges Auftreten vermitteln.

Daneben werden Termine für eine Stadtführung im Dunkeln – Nightwalks „Furcht-Los durch die Nacht“- unter Betreuung/Führung einer Selbstbehauptungstrainerin angeboten. Dabei werden bestimmte „Angst-Orte“ besucht und „Angst-Situationen besprochen“: Woher kommt die Angst? Wie kann die Angst mir helfen? Was kann ich dagegen tun? Und vieles mehr.

Eine Lesung mit dem Themenschwerpunkt „Psychische Gewalt“ und ein Kinofilm mit Bezug auf geschlechtsspezifische Gewalt vollenden die Veranstaltungsreihe.

§ 218 – Wieviel Freiheit haben wir wirklich?

Anlässlich der 150 Jahre §218 veranstalte das Netzwerk Frauen/Mädchen und Gesundheit Niedersachsen die Online-Veranstaltung zum Thema: „§ 218 – Wie viel Freiheit haben wir wirklich?“.

Der Schwangerschaftsabbruch ist im Strafrecht geregelt. Obwohl er heutzutage in Deutschland trotz des bestehenden § 218 nicht grundsätzlich strafrechtlich verfolgt wird, haben es Frauen* (gemeint sind auch nichtbinäre, trans* und inter* Personen, die schwanger werden können) schwer, kurzfristig eine Arztpraxis oder Klinik für einen Schwangerschaftsabbruch zu finden. Denn Ärzt*innen wird es sehr erschwert zu informieren, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen.

Vor 150 Jahren wurde der Abtreibungsparagraph 218 in die deutsche Strafgesetzgebung aufgenommen. Seit Bestehen dieses Paragraphen gab und gibt es Widerstand mit zum Teil schwerwiegenden Konsequenzen. Denn noch immer ist der § 218 Ausdruck männlicher Dominanz, staatlicher Kontrolle und Sanktionierung unzähliger Frauen*, begleitet von Denunziantentum bis hin zu Morddrohungen gegenüber Ärzt*innen durch sogenannte Lebensschützer*innen.

Im Rahmen der Online-Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem Apollo-Kino in Hannover der Film „Aufbruch in die Freiheit“ von Isabel Kleefeld gezeigt. Der Film spielt in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts und zeigt die Perspektive der betroffenen Frauen und ihren Protest.

In der anschließenden Diskussionsrunde erläuterten die Autorinnen Andrea Stoll und Heike Fink, die engagierte Ärztin Kristina Hänel, die Geschäftsführerin von pro familia Niedersachsen Uta Engelhardt, die mit dem Juliane-Bartel-Preis ausgezeichnete Autorin Dr. Gaby Mayr sowie die Juristin Prof. Dr. Maria Wersig Hintergründe und Konsequenzen. Gemeinsam wurde ein politischer Ausblick diskutiert.

Projekte im Jahr 2020

Im Jahr 2020 konnten aufgrund der Corona Pandemie nicht alle Projekte stattfinden, bzw. mussten verändert werden. Hier eine erste Übersicht. Beispielhaft stellen wir an dieser Stelle noch Projekte vor.

Beispielhaft | Stadt Vechta

Mehr Frauen in die Politik
Via Live-Stream über den YouTube-Kanal der Stadt Vechta fand am 27. Oktober 2020 der Rathaus-Talk „Ich bin dabei – Frauen machen Stadtpolitik“ statt. Bürgermeister Kristian Kater und Gleichstellungsbeauftragte Andrea Schlärmann haben zu dieser Veranstaltung eingeladen, um auf die Unterrepräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik aufmerksam zu machen und Frauen dazu zu ermutigen, sich politisch zu engagieren. Anlass sind die Wahlen im kommenden Jahr. Bürgermeister Kater machte in seinem Grußwort deutlich, dass Politik den Querschnitt der Gesellschaft abbilden solle. Aktuell seien aber nur 15,6% der Mandate des Rates der Stadt Vechta von Frauen besetzt. „Bei der nächsten Wahl muss das besser werden“, sagte Kater.

Die 15,6% Frauen des Rates der Stadt Vechta, das sind die fünf Ratsfrauen Jana Bröker, Simone Göhner, Dr. Christa Kiene-Schockemöhle, Frauke Preuß und Anja Sommer, die am Veranstaltungsabend live die Fragen der Moderatorin und der Zuschauerinnen und Zuschauer beantworteten. Die fünf Ratsfrauen berichteten von ihren Anfängen in der Politik und ihrem Umgang damit, eine öffentliche Person zu sein. Sie gaben spannende Einblicke in die Ratsarbeit und betonten, wie wichtig die Unterstützung aus dem politischen Netzwerk, zumeist der eigenen Partei, für die politische Arbeit sei. Auch wenn es nicht immer einfach sei, Beruf, Familie und Politik zu vereinbaren, war für alle Ratsfrauen klar: „Es lohnt sich!“ Vor allem die Freude, die eigene Stadt aktiv mitzugestalten zu können, motiviere die fünf Frauen. Den über 80 aktiven Zuschauerinnen und Zuschauer des Live-Streams machten sie Mut, sich mehr zuzutrauen und sich politisch zu engagieren.

Interessierte können sich die Aufzeichnung des Rathaus-Talks „Ich bin dabei – Frauen machen Stadtpolitik“ auf dem YouTube-Kanal der Stadt Vechta unter folgendem Link https://www.youtube.com/user/stadtvechta ansehen.

Beispielhaft | Stadt Seelze

Vom 21.- bis 29. Oktober 2020 fanden in der Stadt Seelze sogenannte Nightwalks statt. Bei Nightwalks handelt es sich um geführte Spaziergänge in der Dunkelheit, um Stellen, die insbesondere bei Frauen Unbehagen, ein Gefühl von Unsicherheit oder Ängste auslösen, aufzusuchen und sichtbar zu machen. Im Rahmen der Nightwalks hat die Lichtkünstlerin Claudia Wissmann in kleinen Gruppen mit Frauen und Mädchen sowie Mitarbeiterinnen des städtischen Bauamtes diese Bereiche in der Stadt in abendlichen Spaziergängen aufgesucht und ist dem Gefühl der Unsicherheit auf verschiedenen Ebenen entgegengetreten - und hat dabei buchstäblich Licht ins Dunkel gebracht. Dabei nutzte Wissmann lichtkünstlerische sowie theaterpädagogische Elemente, um Empfindungen wie Unbehagen und Ängste abzumildern und eine nachhaltige Wirkung zu erreichen.
Ziel des Projektes war es, Frauen an der Gestaltung ihres persönlichen Nahraums partizipieren zu lassen. Es ging in erster Linie darum, ein Bewusstsein für (Un)Sicherheitsempfinden zu schaffen und betroffenen Frauen das Gefühl der Machtlosigkeit zu nehmen, indem sie die Räume anders erleben und erfahren konnten: Sie wurden zu aktiven Gestalterinnen!

Der gesamte Prozess wurde fotografisch und dokumentarisch festgehalten und Mithilfe von mehreren kreativen Prozessen aufgearbeitet.
Das Projekt wurde durch Fotos und durch die Verschriftlichung der Erlebnisse und Wahrnehmungen dokumentiert. Eine Auswahl von fünf erlebten und gestalteten Orten der Projektteilnehmerinnen wurde in eine ausstellungsgerechte Form verarbeitet. Das entstandene Ausstellungsformat wurde in die CEDAW Ausstellung integriert und in Seelzes Stadtzentrum gezeigt. Eine öffentlichkeitswirksame Ausstellungseröffnung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Ehrenamt und den teilgenommenen Frauen war geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Ausstellungseröffnung in kleinerem Rahmen stattfinden. Dennoch stieß das Projekt auf großes öffentliches Interesse bei Bürgerinnen und Bürgern sowie der Presse. Das Projekt wurde von Seelzes Gleichstellungsbeauftragter Gabriele Giesche in Kooperation mit der Frauenberatungsstelle der AWO Region Hannover durchgeführt.

Beispielhaft | Landeshauptstadt Hannover

Über 400 Frauen folgten am 06. März 2020 der Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Friederike Kämpfe zur Frauenvollversammlung der Landeshauptstadt Hannover unter dem Motto „Tatort Frauenrechte – International.National.Kommunal“. Nach einer Begrüßung durch die Gleichstellungsbeauftragte, Oberbürgermeister Belit Onay und GPR-Vorsitzende Karin Gödecke folgte der Vortrag „FrauenMenschenRechte in der Kommune“ von Ulrike Lembke, Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt Universität zu Berlin und frisch ernannte Richterin am Verfassungsgericht Berlin. In ihrem eindrucksvollen Vortrag schaffte es die Referentin die UN-Frauenrechtskonvention und ihre Bedeutung für die Geschlechtergerechtigkeit auf internationaler, nationaler und vor allem auf kommunaler Ebene greifbar zu machen. „CEDAW – das ist Revolution durch Recht!“ betonte Lembke dabei und verdeutlichte um welch ein wichtiges Instrument zur Gleichstellung es sich bei der UN-Frauenrechtskonvention handelt.
Nach einer Pause, die von den Frauen zum Netzwerken, Diskutieren und zum Besuch der Ausstellung über die UN-Frauenrechtskonvention genutzt wurde, fand eine Podiumsdiskussion zu Berührungspunkten von CEDAW in den (Frauen-)Beratungsstellen in Hannover und der Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover statt.

Beispielhaft | Landkreis Göttingen

Die Kreisverwaltung Göttingen hat sich im Jahr 2020 der Fortschreibung der Richtlinie „Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewidmet. Hintergrund: Der Landkreis Göttingen hat eine, vor ca. 10 Jahren vom Kreistag verabschiedete, Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Kreisverwaltung Göttingen. Diese Richtlinie sollte aus Gleichstellungsperspektive dringend fortgeschrieben und weiterentwickelt werden. Im Jahr 2020 sollte daher das CEDAW-Schwerpunktthema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ dazu genutzt werden, in einer Projektgruppe der Kreisverwaltung mit externer Beratung und Moderation die Richtlinie neu zu fassen und ein Leitbild „Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Kreisverwaltung Göttingen“ zu entwickeln. Geplante Erzählcafés in den Städten und Gemeinden im Landkreis Göttingen mussten Corona bedingt leider ausfallen. Es war geplant niedrigschwellige Infoveranstaltungen zu den fünf CEDAW Schwerpunktthemen durchzuführen. Eine Projektgruppe im Kreishaus hat aber an der Überarbeitung der Richtlinie weitergearbeitet.

Projekte im Jahr 2019

Neben den Modellregionen konnten im Jahr 2019 weitere Kommunen am Projekt partizipieren und eigene Veranstaltungen oder Maßnahmen umsetzen. Eine thematische Ausrichtung an den fünf Themenschwerpunkten sowie der Bearbeitung der Frauenrechtskonvention stand im Mittelpunkt der Projekte. Im Jahr 2019 konnten so neben den fünf Modellstandorten noch 20 weitere kommunale Projekte mit z.T. vielfältigen Kooperationspartnern am Projekt „Gleichstellung sichtbar machen – CEDAW in Niedersachsen“ teilnehmen, neue Netzwerke erschließen und im interdisziplinären Austausch gleichstellungspolitische Themen intensiv bearbeiten. Im folgenden finden Sie beispielhaft für die kommunalen Projekte einige Informationen.

Beispielhaft | Lüneburg

In Lüneburg hat eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto der "Lüneburger Herbst der UN-Frauenerechtskonvention" stattgefunden. Es wurden verschiedene Veranstaltungen zu den Schwerpunktthemen politische Partizipation, häusliche Gewalt sowie Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf angeboten.

Beispielhaft | Landkreis Harburg

Genitalverstümmelung sichtbar machen - So lautete der Titel einer Fachtagung, die am 26. November 2019 im Kreishaus in Winsen stattfand. Ziel der Veranstaltung war das Thema Genitalverstümmelung zu enttabuisieren, die unterschiedlichen Fachdisziplinen zu informieren und zu sensibilisieren. Zeitgleich wurden Impulse für weitere (Denk-)Prozesse und die Entwicklung von Handlungsstrategien gegeben, die sich aus der Vernetzung heraus ergeben haben. Die Ausstellung zur Frauenrechtskonvention wurde rund im den Fachtag im Kreishaus gezeigt.

Beispielhaft | Landkreis Verden

Die Frauenrechtskonvention sichtbar machen im Landkreis Verden - das war das Ziel einer Veranstaltungsreihe im gesamten Kreisgebiet. Den Auftakt machte ein Vortrag am 12.09.2019 im Kreisfrauenrat des Landkreises Verden. Dieser ist ein Gremium von Frauenverbänden und –Initiativen, Gewerkschaften, Kommunen und Parteien, die gesellschaftlich relevante Fragen aus dem Blickwinkel von Frauen aufgreifen. Die Ausstellung „Gleichstellung sichtbar machen“ wurde im Rahmen dieser Tagung gezeigt.

Beispielhaft | Stadt Braunschweig

Im Mai 2019 fand in Braunschweig eine Podiumsdiskussion zum Thema: Gute Geburt! In Braunschweig eine Glücksache? statt.
In den Schwangerenberatungsstellen wurde in den letzten Jahren die unzureichende Versorgung rund um Schwangerschaft und Geburt in Braunschweig
immer häufiger in den Beratungssgesprächen thematisiert. Sowohl die ausreichende Hebammen- und Gynäkologinnenversorgung als auch die Versorgung in den Kliniken sei zunehmend nicht mehr gewährleistet. So sei das Nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um Schwangerschaft und Geburt“ nicht zu erreichen. Auch nach der internationalen Frauenrechtskonvention (CEDAW) Artikel 12 hat der Staat für eine angemessene Versorgung vor, während und nach der Geburt zu sorgen. Was muss getan werden um diese desolate Situation in Braunschweig zu verbessern? Diese Frage wurden auf dem Podium erörtert u.a. mit Dr. Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, und Veronika Bujny, Vorsitzende des Niedersächsischen Hebammnverbandes. Mehr dazu im Flyer.

Beispielhaft | Stadt Hildesheim

Die somalische Menschenrechtsaktivistin Fatuma Musa Afrah hat sich mit einem Vortrag und Workshop dem Thema "Stärkung geflüchteter Frauen"  im September 2019 in Hildesheim befasst. Geflüchtete Frauen sollten dazu ermutigt werden, ihre Zukunft in der neuen Umgebung und Heimat eigenständig, gleichberechtigt und frei zu gestalten. Die Veranstaltung diente auch dazu, die UN-Frauenrechtskonvention in die politische Praxis zu übertragen. Ziel der Konvention ist es, die Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen zu beenden.